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Die emotionalen Gründe, warum dein Pferd beißt oder tritt und was du wissen musst, um es zu lösen.

Autorenbild: Anja Merk
Anja Merk
25. Aug.
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Sept.

Ob du dein Pferd schon beißend bei dir aufgenommen hast oder ob es erst bei dir damit angefangen hat, spielt für das, worüber wir hier sprechen werden, zunächst keine Rolle. Denn in beiden Fällen lohnt es sich, nicht nur auf das Verhalten deines Pferdes zu schauen. Sondern auch auf die Frage, warum dieses Verhalten gerade in eurer Beziehung eine Rolle spielt.




Warum ausgerechnet du ein beißendes Pferd hast?


Wenn du dein Pferd schon beißend bekommen hast, ist das nicht zufällig passiert. Es gibt Gründe, warum genau dieses Pferd seinen Weg zu dir gefunden hat. Denn Pferd und Mensch finden sich über ähnliche Energien. Das bedeutet: Ähnliche emotionale Erfahrungen ziehen ähnliche emotionale Erfahrungen an.


Ganz ähnlich verhält es sich, wenn dein Pferd erst bei dir mit Beißen oder Treten angefangen hat. Dein Pferd reagiert auf etwas in deinem emotionalen System.

Doch was kann in einem Menschen vorhanden sein, auf das ein Pferd mit einem so deutlichen körperlichen Verhalten reagiert?


Genau das schauen wir uns nun an.


Folgendes muss man sich klarmachen, um diesen Zusammenhang zu verstehen: Ein Pferd ist ein Herdentier. Und in einer Herde geht es jederzeit auch um die Gemeinschaft. Zwischen den einzelnen Pferden findet ein reger Informationsaustausch statt: über die Position in der Herde, die Einschätzung von Gefahren, aber auch über den Ausgleich von Energien zur Stabilisierung der Herdeneinheit.


Verbindung ist deshalb für eine Herde ein wesentlicher Bestandteil, denn über Verbindung werden Informationen ausgetauscht. Dabei ist Verbindung für Pferde nichts, was erst hergestellt werden muss. Sie entsteht zwangsläufig durch Zugehörigkeit.


Zu diesem Informationsaustausch gehört auch die Wahrnehmung des emotionalen Systems des anderen. Pferde lesen sich gegenseitig ihr emotionales System aus. Dabei geht es allerdings nicht um Blockaden und Mangelzustände, sondern um den Zugang zu emotionalen Grundbedürfnissen.

Ein Pferd, das beispielsweise über besonders viel Klarheit und die Fähigkeit verfügt, Einheit herzustellen, kommt als ranghöchstes Pferd infrage. Mit dieser Fähigkeit trägt es zu einer stabilen Herdeneinheit bei.


Pferde können gar nicht anders, als sich auf diese Art auszulesen. Denn eine Herde organisiert sich fortlaufend über die Informationen, die ihre Mitglieder miteinander austauschen. Jeder hat seinen Platz und bringt mit seiner energetischen Ausstattung etwas in diese Gemeinschaft ein.


Über Verbindung und Zugehörigkeit werden also ganz entscheidende Informationen ausgetauscht, die für die gesamte Herdenorganisation wichtig sind – und damit letztlich auch für das Überleben. Denn nur eine gut organisierte Herde hat die besten Chancen.


Und genau hier wird es für die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd interessant. Genauso wie Pferde sich untereinander lesen, liest dein Pferd auch dich. Du bist Teil seiner Herde. Ihr bildet ebenso eine Gemeinschaft, eine Familie.

Doch deinem Pferd geht es dabei nicht in erster Linie darum, zu klären, wer von euch ranghöher ist. Das ist ein Mythos. 


Dein Pferd liest dich und respektiert deine energetische Position. Ja, genau: Auch wenn dein Pferd dich beißt oder tritt, respektiert es deine energetische Position. Es ist sicher nicht die, die du möchtest. Aber es ist die, die du aussendest.



Dein Pferd kann die Emotionen deiner Kindheit lesen!


Und jetzt lass uns in dein emotionales System abtauchen. Dafür müssen wir in deiner Kindheit anfangen. Dort wurde das Fundament deines emotionalen Systems gelegt, denn dort hast du deine ersten emotionalen Erfahrungen gemacht. Erfahrungen, die bis heute bedeutsam sind – und die dein Pferd wahrnehmen kann.


In deiner Kindheit hast du gelernt, wie Verbindung funktioniert. In Verbindung zu sein, ist für die Spezies Mensch ebenso wichtig wie für das Pferd, denn auch wir Menschen sind in Gemeinschaften organisiert.


Die ersten Erfahrungen damit macht ein Kind in der Beziehung zu seinen Eltern. Es erfährt, was es bedeutet, mit seiner Mutter und seinem Vater verbunden zu sein: Wie sicher ist Verbindung? Wie nah darf sie sein? Was braucht es, damit sie bestehen bleibt? Aus diesen frühen Erfahrungen entsteht eine Art innere Information darüber, wie Beziehung funktioniert. Und diese wird prägend für zukünftige Beziehungen, Freundschaften und Partnerschaften sein. Und eben auch für die Beziehung zum eigenen Pferd.


Dein Pferd liest in dir diese emotionalen Informationen darüber, wie Verbindung für dich funktioniert. Und es wertet sie sofort aus. Das passiert grundsätzlich ab Tag eins, denn es geht um die Organisation eurer Gemeinschaft. Damit werden deine emotionalen Informationen zu einem Teil der Regeln eurer Beziehung. Und diese Regeln bringst du maßgeblich ein. Denn dein Pferd nimmt eure Zugehörigkeit sofort wahr und liest genau die Regeln aus, die von dir ausgehen.


Früher war es leider üblich, Kinder autoritär zu erziehen. Und selbst wenn sich der Umgang mit Kindern von Generation zu Generation schon verbessert hat, sind unsere Eltern und Großeltern noch in strengen Erziehungsstrukturen aufgewachsen, in denen auch körperliche Übergriffigkeit fast schon normal war.


Körperliche Übergriffigkeit beginnt dort, wo gegen die körperlichen Grenzen eines Kindes gehandelt wird. Das können Klatscher auf die Hand sein, Ohrfeigen, Popoklatscher oder Schlimmeres. Aber auch das Zerren am Körper gehört dazu.


Vielleicht liest du das und denkst: Ja, das gab es bei uns auch. Aber das war früher eben so. Das war normal. Oder das ist nur ein einziges Mal passiert. Was soll das schon für eine Bedeutung haben?


Sehr häufig haben Erwachsene diese Erfahrungen gar nicht mehr auf dem Schirm. Und genau dieses „Das war früher eben so“ kann eine Form von Resignation sein. Eine Art von Abstumpfung. Denn sich damit auseinanderzusetzen, was dieses Verhalten für das Kind tatsächlich bedeutet hat, hätte damals sehr viel Kummer ausgelöst.


Ein Kind hat jedoch andere Möglichkeiten, damit umzugehen. Es passt sich an. Es schaut, wie es sich verhalten kann, damit so etwas möglichst nicht mehr passiert. Die Vermeidung wird in diesem Moment wichtiger als die emotionale Verarbeitung des Erlebten.


Und diese Vermeidung kann bis heute fortbestehen. Wir nehmen sie beispielsweise in Form von Angst vor Ablehnung, Angst vor Kontrollverlust oder Existenzangst wahr. Diese Ängste können sich immer wieder zeigen, ohne dass derjenige sie mit seiner Kindheit in Verbindung bringen würde. Manchmal sind diese Ängste auch so stark unterdrückt, dass der Zugang zu ihnen kaum noch vorhanden ist. Stattdessen wird versucht, das Leben vor allem über den Verstand zu kontrollieren. Es entsteht eine regelrechte Kopflastigkeit.


Unterm Strich existiert aufgrund der Ereignisse der Kindheit immer noch eine emotionale Energie im eigenen System. Sie ist häufig nur nicht mehr unmittelbar wahrnehmbar, weil sie durch beständige Resignation bzw. Gefühlsvermeidung unterdrückt wird. Für dein hochempathisches Pferd ist sie dennoch erkennbar.

Und damit kommen wir zu dem entscheidenden Punkt. Was liest dein Pferd in dieser emotionalen Grundprägung?


Die Information lautet:

Wenn du in Verbindung mit mir sein möchtest, gehört körperlich übergriffig dazu.


Das klingt hart. Und genau deshalb ist es wichtig, diesen Satz einmal so stehen zu lassen. Denn er beschreibt nicht das, was du heute möchtest oder bewusst über Beziehung denkst. Er beschreibt die emotionale Information, die damals entstanden ist.


Auch wenn du heute als Erwachsener weißt, was in deiner Kindheit schiefgelaufen ist, kann diese Information emotional noch in deiner Grundprägung vorhanden sein. Sie wurde verstanden – aber damit noch nicht zwangsläufig ausgeheilt.


Ein beißendes Pferd, das du aufgenommen hast und das dieses Verhalten nicht fallen lässt, tut dies, weil es diese Information auch in dir erkannt hat. Hier liegt die emotionale Ähnlichkeit, aufgrund derer so ein Pferd zu dir gefunden hat.


Energie findet Energie.



Was braucht ein Pferd, um mit Beißen und Treten aufzuhören?


Dieses Pferd kann seine Vergangenheit nicht loslassen, weil sie durch seinen neuen Besitzer aktuell bleibt. Die alte emotionale Information begegnet ihm in seiner neuen Beziehung erneut. 


Es kann nicht über seinen Besitzer hinaus heilen.


Und genau deshalb brauchen diese Pferde keine Dominanz. Sie brauchen keine Erziehung. Sie testen nicht und sind auch nicht respektlos. Sie reagieren auf die Informationen, die der Besitzer aussendet – und respektieren damit seine energetische Position.


Erst wenn sich diese emotionale Information in dir verändert, kann auch dein Pferd sein Verhalten verändern.


Doch wie dreht man eine Information, die in der eigenen Grundprägung seit Jahrzehnten vorhanden ist? Sicher nicht, indem man sich vornimmt, ab morgen anders zu fühlen. Und auch nicht, indem man sich sagt: Das ist lange her. Ich habe meinen Eltern längst verziehen. Denn zu verstehen, was damals passiert ist, verändert noch nicht die emotionale Information, die daraus entstanden ist.


Eine emotionale Grundprägung verändert sich nicht über den Verstand. Dafür muss die emotionale Erfahrung, aus der sie entstanden ist, noch einmal zugänglich werden. Erst dann kann die darunterliegende „gesunde“ Grundinformation wieder freigelegt werden.


Möchtest du mehr dazu wissen, dann schau dir folgenden Beitrag an: 

Dein Pferd ist dein Heiler - Wie Pferde versuchen, unser emotionales System zu stabilisieren.


Eine Prägung liegt immer auf einem natürlichen System auf. Das natürliche emotionale System kann verdeckt sein, aber es lässt sich nicht zerstören. Und genau deshalb ist eine solche Prägung auch lösbar.


Dein Pferd kann dich genau dorthin führen. Darin liegt eine unserer großen Chancen in der Beziehung zu Pferden: Sie dürfen uns zeigen, wo etwas in uns heilen möchte.


Heilst du dich, heilst du dein Pferd.


An dieser Stelle ist mir allerdings eine Unterscheidung wichtig: Pferde, die körperlich übergriffig sind, spiegeln in den meisten Fällen eben diese Grundprägung ihres Menschen. Andersherum führt diese Grundprägung beim Menschen aber nicht zwangsläufig dazu, dass sein Pferd beißt oder tritt.


Wie ein Pferd darauf reagiert, ist abhängig von seinem Charakter, seinem Geschlecht, seiner Rasse und seiner energetischen Grundausstattung.


Manche Stuten reagieren beispielsweise mit ihrer mütterlichen und fürsorglichen Art und sind dann besonders liebevoll zu ihrem Menschen. Auch sie haben wahrgenommen, welche emotionale Information vorhanden ist – ihre Antwort darauf ist nur eine andere.


Sie übersteuern bestimmte Energien wie Liebe und Wärme. Sie fühlen, welche Energie in der Kindheit gefehlt hat, und geben genau das, was es braucht, um die alte Information auszuheilen.


Doch auch dieses Übersteuern ist auf Dauer kein gesunder Zustand für das Pferd. Die Stute versucht, etwas in eurem emotionalen System auszugleichen, und gerät dabei selbst zunehmend aus ihrer Balance. Dass ihre Reaktion für den Menschen angenehm ist, bedeutet also nicht, dass die zugrunde liegende Dynamik weniger wichtig ist.


Das eigentliche Geschenk liegt in der Information, die uns die Pferde geben möchten: Sie zeigt uns nicht nur, dass etwas fehlt, sondern sogar, was fehlt.


Doch leider haben wir Menschen verlernt, energetische Informationen so wahrzunehmen und zu verarbeiten, dass wir dieses Geschenk auch nutzen können.


Und genau hier gilt es nachzulernen.


Zur Autorin

Anja Merk

Energetischer Coach · Pferdepsychologie · Pferd-Mensch-Kommunikation


Anja Merk ist Coach mit Expertise in Pferdepsychologie und psychologischer Pferd-Mensch-Kommunikation. Ihre fachliche Grundlage bilden Ausbildungen in Psychotherapie, ressourcen- und lösungsorientiertem Coaching sowie QuantenKinesiologie.

Sie entwickelte die Prozessbegleitende Quantenheilung für Pferd und Mensch. Bei dieser Methode werden Verhaltensveränderungen des Pferdes und der Beziehungsaufbau zwischen Mensch und Pferd allein durch innere Arbeit und Wahrnehmungsveränderungen des Menschen erreicht. Seit mehreren Jahren bildet sie Coaches in diesem Ansatz aus.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die wahrnehmbare emotionale Kommunikation zwischen Pferd und Mensch und das Verständnis der dahinterliegenden Gesetzmäßigkeiten.

Sie entwickelt eine alternative Psychologie auf Grundlage von Erkenntnissen über Emotionale Intelligenz und leitet eine Gruppe von Coaches, die unter ihrer Supervision nach diesem Ansatz arbeitet. Im Zentrum ihrer eigenen Forschungsarbeit stehen die Emotionale Intelligenz des Pferdes und ihre Wechselwirkung mit dem Menschen.



 
 
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Anja Merk
Herausgeberin

Coach für Prozessbegleitende Quantenheilung Mensch & Pferd

​

​Pferdepsychologie

 

Pferd-Mensch-Kommunikation

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