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Wie erklärt sich das Verhalten deines Hundes?

Autorenbild: Anja Merk
Anja Merk
3. Sept.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Sept.


Dein Hund kann nicht allein sein und möchte die ganze Zeit bei dir sein. Oder dein Hund bellt ständig oder will draußen andere Hunde angehen. Vielleicht ist dein Hund zu anderen Familienmitgliedern anders als zu dir.


Es gibt viele Verhaltensauffälligkeiten, die sich möglicherweise bisher mit Training nicht lösen ließen. Und vielleicht hast du dich schon gefragt, ob das etwas mit dir zu tun haben könnte? Für all diese Verhaltensweisen könnte es tatsächlich eine emotionale Komponente im Menschen geben. Doch um das zu verstehen, müssen wir verstehen, was dein Hund in dir wahrnimmt und wie er das, was er dort wahrnimmt, verarbeitet.


In unserer heutigen Zeit ist es ganz normal, einen Hund zu besitzen. In Deutschland leben 10,5 Millionen Hunde. Was wir darüber häufig vergessen, ist, dass der Mensch Hunde einst als Unterstützung für sein Leben gezüchtet hat: Hütehunde, Jagdhunde, Wachhunde, Schädlingsbekämpfer bis hin zu Such- und Rettungshunden, Sprengstoffexperten, Blindenhunden, medizinischen Warn- und Anzeige-Assistenzhunden und Therapiehunden.


Über sehr lange Zeit war und ist es bis heute für Hunde wesentlich, sich am Menschen zu orientieren, seine Signale wahrzunehmen und mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Hund ist also nicht einfach nur bei uns – seine Aufmerksamkeit auf uns hat eine lange funktionale Geschichte.

Und diese Aufmerksamkeit ist genau der Punkt!


Dein Hund sein Auftrag

In dieser Aufmerksamkeit liegt der Schlüssel, damit du das Verhalten deines Hundes verstehen kannst.

Vereinfacht ausgedrückt: Dein Hund sucht einen Job! Aber er sucht nicht irgendeinen Job. Er sucht einen Auftrag, der dir das Leben leichter macht. Und das mutet zunächst paradox an. Wie soll dir das nützen, wenn dein Hund ständig andere anbellt, nicht allein bleibt oder vielleicht sogar andere beißen möchte? Lass uns das langsam aufdröseln.


Selbstverständlich bringt er über seine Genetik Begabungen mit. Diese Begabungen kann der Mensch gezielt nutzen. Ein Jagdhund kann einen starken Drang zum Jagen haben, ein Hütehund zum Hüten, ein Wachhund zum Bewachen. Das ist real und gehört zu ihm. Dieser Drang ist auch nicht falsch oder bereits eine Verhaltensauffälligkeit, sondern Ausdruck seiner natürlichen Anlagen und Bedürfnisse.

Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass der Hund sich am Menschen orientieren möchte. Er akzeptiert es, von seinem Menschen Aufträge zu bekommen. Also liegt die Wahl, wie diese Begabungen genutzt werden, auch beim Menschen.


Viele Menschen denken, einen Auftrag bekommt der Hund über ein spezielles Training oder eine Ausbildung. Und ja, natürlich wird ein Rettungshund ein Training brauchen. Aber es gibt noch eine andere Ebene als diese offensichtliche.


Und das ist die Ebene der Emotionen. Ein Hund nimmt Aufträge über die Emotionen seines Besitzers wahr. Und auch hier gibt es wieder eine etwas oberflächlichere Ebene und noch viel tiefere Ebenen.


Ich werde es anhand eines Beispiels erklären. Auch wenn die folgende Situation nicht auf dich und deinen Hund zutrifft, sind die darunterliegenden Prinzipien dieselben.


Ein älterer Herr geht mit seinem Hund spazieren. Es ist ein kleiner Hund. Der Mann traut sich oft nicht, seinen Hund frei laufen zu lassen, weil dieser sich häufig völlig unvermittelt auf andere Hunde stürzt und zubeißt. Manchmal sieht es sogar so aus, als möchte sein Hund spielen, und plötzlich kippt die Stimmung. An der Leine ist der Hund oft unentspannt, keift schon von Weitem andere Hunde an. Inzwischen ist der Mann mit seinem kleinen Hund schon Gesprächsthema im Wohnviertel. Ihm wird explizit gesagt, dass sein Hund keinen Umgang mehr mit den Nachbarshunden haben darf. Der Mann ist fassungslos.


Der Mann schaut mit zunehmender Sorge auf die Hundebesitzer, die ihm entgegenkommen. Er beobachtet, wie sein Hund wieder destruktiv reagiert. Seine Aufmerksamkeit liegt auf dem nahenden fremden Hundebesitzer und seinem Hund. Das Grundgemüt dieses Mannes ist, was andere Menschen angeht, ohnehin schon kritisch. Häufig sieht er selbst Fehlverhalten bei anderen Menschen.


Und leider ist ihm überhaupt nicht bewusst, dass seine Grundeinstellung anderen Menschen gegenüber seinen Hund beeinflusst. Denn sein Hund sucht einen Job! Und hat ihn gefunden. „Herrchen, Menschen sind ein Problem? Ich kümmere mich darum! Und ihren Vierbeinern sage ich das direkt als Erstes.“ Während der Mann mit ungemütlichem Blick seinen Hund bei jeder Begegnung beobachtet, nimmt der Hund das Unbehagen seines Herrn wahr. Und der Auftrag wird damit aktualisiert.


Wenn Gefühle der Kindheit zu seinem Auftrag werden

Seine grundsätzliche kritische Haltung anderen Menschen gegenüber ist das Material, mit dem der Hund arbeitet. Er bringt einfach mal die gesamte Nachbarschaft für Herrchen in Ordnung.


Gehen wir nun eine Ebene tiefer. Woher kommt denn der kritische Blick auf Menschen? Woher kommt denn die Idee, der andere macht Fehler? All dies sind in der Regel Prägungen aus der Kindheit. In diesem Fall wurde der Mann selbst viel kritisiert, als er ein kleiner Junge war. Eine strenge Erziehung sorgte für Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Sein Hund liest nun seinen emotionalen Mangel und dieser Mangel ist gleichzeitig ein Auftrag. Denn dort wird etwas nötig. Dort muss geholfen werden. Und hier springt der Hund ein.


Helfen bedeutet für den Hund aber nicht, dass er den Schmerz lösen will, um Herrchen in ein emotionales Gleichgewicht zu führen. Der Hund ist dabei ganz praktisch orientiert. So, wie Hunde es über Jahrtausende gelernt haben. Sie sind feinfühlig. Sie fühlen ein emotionales Problem ihres Besitzers und nehmen sich dieses Problems mit ganz praktischen Lösungen an.


Ich möchte gern an dieser Stelle noch eine Etage tiefer.


Der Hund des Mannes ist ein Shiba Inu. Er liebt diesen Job. Denn er entspricht auch seinen natürlichen Begabungen. Es ist eine Hunderasse, die für die Jagd in unwegsamem Gelände Japans gezüchtet wurde. Dort erlegte er selbstständig Kleintiere. Er traf also Entscheidungen ohne den Menschen. Das heißt, dieser Hund vergewissert sich nicht noch einmal bei seinem Menschen innerhalb der Situation. Auftrag erteilt. Ausführung bis erledigt.


Das zeigt an dieser Stelle sehr schön, dass ein Training in der Situation eventuell nur bedingt helfen würde. Denn der Auftrag wird an einer ganz anderen Stelle erzeugt.


Warum hat dieser Mann ausgerechnet diesen Hund? War er einfach dumm, sich so einen Hund zu holen? Wohl kaum. Vielleicht ziehen wir das an, was wir brauchen. Vielleicht zeigt uns gerade die Energie des Hundes das Bedürfnis, das wir wieder integrieren dürfen?


So fehlte diesem Mann die Eigenständigkeit in seiner Kindheit. Eine Eigenständigkeit, die der Shiba Inu ganz selbstverständlich besitzt. Diese Klarheit, loszugehen. Dieser Hund zeigt in seinem ganzen Wesen das emotionale Grundbedürfnis, das der Mann als Kind nicht leben durfte. Würde der Mann dies ausheilen, gäbe es den Auftrag nicht mehr.


Ineinandergreifende Ebenen

Schauen wir noch einmal auf die verschiedenen Ebenen.


Der Hund bringt über seine Genetik bestimmte Anlagen und natürliche Bedürfnisse mit. Diese bestimmen jedoch nicht allein sein Verhalten. Sie beeinflussen vielmehr, wie er einen wahrgenommenen Auftrag umsetzt.


Der Auftrag selbst entsteht auf einer anderen Ebene. Der Hund nimmt den emotionalen Zustand seines Menschen wahr. Dort, wo ein emotionales Grundbedürfnis nicht integriert ist und ein Mangel entsteht, erkennt er einen Handlungsbedarf.


Dabei versucht der Hund nicht, diesen emotionalen Mangel im psychologischen Sinne zu lösen. Er übersetzt ihn entsprechend seiner eigenen Fähigkeiten in eine praktische Aufgabe.


In unserem Beispiel trifft also die Unsicherheit des Mannes im Kontakt mit anderen Menschen auf einen Hund, dessen natürliche Anlagen Eigenständigkeit und selbstständiges Handeln begünstigen. Der Shiba Inu wartet nicht darauf, dass sein Mensch in der Situation den Auftrag bestätigt. Er übernimmt einfach.


Und gleichzeitig verkörpert der Hund mit seiner ausgeprägten Eigenständigkeit genau jenes emotionale Grundbedürfnis, das der Mann in seiner Kindheit nicht selbstverständlich leben durfte.

Damit stehen das Verhalten des Hundes, die emotionale Situation des Menschen und die individuellen Anlagen des Hundes nicht unabhängig nebeneinander. Sie greifen ineinander.


Und genau deshalb reicht es möglicherweise nicht, ausschließlich dort anzusetzen, wo das Problem sichtbar wird: beim Verhalten des Hundes.


Was du tun kannst?

Wenn du das Verhalten deines Hundes verstehen möchtest, lohnt es sich also, auf mehrere Ebenen zu schauen:

  • Das sichtbare Verhalten: Was tut dein Hund konkret?

  • Seine natürlichen Anlagen: Welche Begabungen und Bedürfnisse bringt dein Hund in herausfordernde Situationen mit ein?

  • Die emotionale Ebene: Was nimmt dein Hund bei dir wahr? Deine Gefühle während der Situation geben meist einen Hinweis darauf.

  • Der Auftrag: Welche praktische Aufgabe leitet dein Hund daraus für sich ab?

  • Der emotionale Mangel: Welches nicht integrierte Grundbedürfnis liegt möglicherweise darunter?

  • Die Verbindung zwischen euch: Welche Qualität verkörpert dein Hund, die mit genau diesem Grundbedürfnis in Beziehung steht?



Ja, auch ein Hund läuft nicht einfach nur mit. Er besitzt erstaunlichen emotionalen Tiefgang – gepaart mit einer ganz praktischen Intelligenz.


Zur Autorin

Anja Merk

Coach · Pferdepsychologie · Pferd-Mensch-Kommunikation


Anja Merk ist Coach mit Expertise in Pferdepsychologie und psychologischer Pferd-Mensch-Kommunikation. Ihre fachliche Grundlage bilden Ausbildungen in Psychotherapie, ressourcen- und lösungsorientiertem Coaching sowie QuantenKinesiologie.

Sie entwickelte die Prozessbegleitende Quantenheilung für Pferd und Mensch. Bei dieser Methode werden Verhaltensveränderungen des Pferdes und der Beziehungsaufbau zwischen Mensch und Pferd allein durch innere Arbeit und Wahrnehmungsveränderungen des Menschen erreicht. Seit mehreren Jahren bildet sie Coaches in diesem Ansatz aus.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die wahrnehmbare emotionale Kommunikation zwischen Pferd und Mensch und das Verständnis der dahinterliegenden Gesetzmäßigkeiten.

Sie entwickelt eine alternative Psychologie auf Grundlage von Erkenntnissen über Emotionale Intelligenz und leitet eine Gruppe von Coaches, die unter ihrer Supervision nach diesem Ansatz arbeitet. Im Zentrum ihrer eigenen Forschungsarbeit stehen die Emotionale Intelligenz des Pferdes und ihre Wechselwirkung mit dem Menschen

 
 
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Anja Merk
Herausgeberin

Coach für Prozessbegleitende Quantenheilung Mensch & Pferd

​

​Pferdepsychologie

 

Pferd-Mensch-Kommunikation

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